Nach den Weisungen der Quartiermeister wurde das Lager aufgeschlagen, wobei die einzelnen Fähnlein ihren Standplatz durch Verlosung erhielten. Nach Möglichkeit wählte man vorteilhafte Plätze, wo sich Wasser, Feuerholz und Fourage fanden, und die wenigstens teilweise durch einen Fluss, Morast oder durch unwegsames Gelände geschützt wurden. Die Befehlshaber wohnten in Zelten, die Knechte in der Regel in Hütten, die sie auf einem Holzgerüst mit einem Belag von Stroh, Reisig oder Grassoden errichteten. Zwischen den Zelten und Hütten gab es für den Verkehr Straßen und für jedes Fähnlein einen besonderen Sammelplatz, den Lärmplatz.

Nun begannen die Landsknechte ein im Ganzen sorgloses Leben, vorausgesetzt, dass sie ihren Sold erhielten. Dieser betrug bekanntlich 4 Gulden = 15 Batzen = 60 Kreuzer = 210 Pfennige.

Davon hatten sie nicht nur ihre Kleidung und Ausrüstung, sondern auch den Lebensunterhalt für sich, ihr angetrautes oder nicht angetrautes Weib, eventuelle Kinder und den Buben, den Soldatendiener, zu bestreiten. Das war nicht leicht, wenn wir einige Preise für Lebensmittel und sonstigen Bedarf betrachten:

1 Pfund Fleich ja nach Art und Qualität 4 bis 6 Pfennige;

1 Pfund Käse ja nach Art zwischen 2 Batzen und 10 Kreuzer;

1 Pfund Speck 6 Kreuzer;

1 Pfund Butter 1 Batzen;

1 Pfund Salz 2 Kreuzer;

Ein paar Schuhe einfacher Sohle 5, mit Doppelsohle 7 Batzen;

Ein wollenes Barett in Schwarz 8 Batzen.

Pro Mann rechnete man als Ration täglich zwei Pfund Brot und ein Pfund Frischfleisch. Statt Frischfleisch konnte auch Fisch, Butter oder Käse gegeben werden. Einem Pfund Fleisch galten als gleichwertig zwei Heringe, und eine Henne entsprach 1,5 Pfund Fleisch. Allerdings werden immer wieder Klagen laut, dass nicht nur im Feindesland Beschlagnahmungen und Plünderungen stattfanden, und besonders die Soldatenbuben, die Diener, waren emsig bemüht, in den umliegenden Dörfern kostenlos für eine Aufbesserung der Küche zu sorgen.

Die Zubereitung der Speisen besorgten, wenn dies nicht die Frauen der Knechte taten, die Sudler und Sudlerinnen (Lagerköche) die das Heer im Troß begleiteten. Sie hatten im Lager, ebenso wie die Marketender (Händler), einen eigenen Platz.

Die Disziplin im Lager konnte nur mit Größter Strenge aufrechterhalten werden, wobei drastisch gegen die Huren und Buben im Troß vorgegangen wurde. Trotz dieser üblen Behandlungen muss aber die Angehörigkeit zum Troß der Landsknechte sehr bedeutend und anziehend gewesen sein. Was wohl darauf zurückzuführen ist, dass der umfassende Heerfrieden Schutz für alle Regimentsanghörigen bot, und in seinem Regiment und Fähnlein der Knecht für sich und seine mitziehende Familie eine bescheidene Versorgung fand. In dieser Gemeinschaft hatte er aber auch die Möglichkeit, zu Ämtern gewählt und bestellt zu werden mit einem Einfluss, der im zivilen Leben unmöglich gewesen wäre.

Für den Bereich des Regiments bestand Marktzwang, also Verbot des Fürkaufs, und daher für die Händler grundsätzlich Verpflichtung, die mitgebrachten Waren erst im Lager selbst feilzuhalten bzw. nur hier zu erwerben. Es war Aufgabe des Profosen (Regimentspolizist im Landsknechtsheer), die Preisfestsetzungen vorzunehmen, er musste, daher die ins Lager gebrachten Waren prüfen und begutachten. Dies wurde schon frühzeitig in den Artikelsbriefen festgelegt. Der Profos hatte daher die heikle Aufgabe, sowohl die Interessen der Knechte als auch die der Händler zu berücksichtigen, da von Gebühren zu, etwa von jedem Fass Wein ein bestimmtes Quantum, von jedem Vieh, das geschlachtet wurde, die Zunge oder ein Standgeld von den Marketendern und Garköchen. Der Profos hatte auch für die Einhaltung der Speerstunde im Lager zu sorgen, denn nach dem Aufziehen der Nachtwache durfte weder Wein noch Bier mehr ausgeschenkt werden. Er war auch der Organisator und Leiter der Lagerfeuerwehr.

Da es im Interesse lag, eine möglichst große Zahl von Händlern an den Lagermarkt zu ziehen, wurden schon frühzeitig für sie Geleit- und Schutzgarantien ausgestellt, wie in der Tiroler Feldordnung von 1499:

„es soll auch ein jeder mit seiner Wär sicher, auch zoll- und mautfrei, in das und aus dem Felde ohn Beschwernis manniglichs zu freiem Kauf zu fuhren und begleit sein“. Dies geht auf die Idee des mittelalterlichen Marktfriedens zurück, der den Marktbesucher schützte und hier auf militärische Bedürfnisse ausgedehnt wurde.

Mit Spielen und Trinken vertrieben sich die Landsknechte ihre dienstfreie Zeit, wobei es dann zu handgreiflichen und nicht selten zu blutigen Auseinandersetzungen kam. Alle Bestimmungen in den Artikelsbriefen wie z.B. „Es sol auch keiner dem anderen auff dem Spiel was aufschlagen/noch weiter denn er bar gelt hat mit dem anderen spielen/ ... Es sol sich ein jeder deß Zutrickens/und ander mehr sündtlicher laster Massen“ nutzten nichts. Der entwurzelte Kriegsknecht, dessen Heimat Regiment und Fähnlein waren, suchte im Lager vom Leben, das morgen schon zu Ende sein konnte, seinen Anteil noch zu erhaschen. Ihre Obersten gingen Ihnen mit „gutem“ Beispiel voran. So war es kein Wunder, wenn nach einem Spruch ein Landsknecht drei Kriegszüge tun müsse, um zu Vermögen zu kommen. Vom ersten Zug musste er mit zerissenen Kleidern nach Hause kommen. Vom zweiten mit einer Narbe auf der Backe, dem Landsknechtszeichen. Vom dritten aber auf einem hübschen Gaul und einen Beutel voll Geld mitbringen.

Da die Knechte im Lager viel freie Zeit hatten und gerade im Anfang des 16. Jahrhunderts sich das Leben gern im Volkslied wiederspiegelte, entstanden auch viele Landsknechtlieder, von denen eines Maximilians Landsknechtsorden und das andere die Belagerung von Pavia behandelt. Diese Volkslieder sind auch stets als politische Lieder und Propagandalieder zu verstehen, die aus gegebenen Anlass entstanden und durch die Knechte weit verbreitet wurden.

Außer dem Kampf gab es in den Lagern ein zweites großes Alltags- und Arbeitsrisiko. Neben den Verwundungen waren die vielen epidemischen Krankheiten, die sich wie im Fluge in den Herren ausbreiteten und oft so schlimm wüteten (wie übrigens auch der Hunger!), dass die Kriegsherren sich gezwungen sahen, ihre Kriege zu verschieben und das Kriegsvolk abzudanken.

Im großen und ganzen war also ein Landsknechtslager eine „kleine mobile Stadt“, in der man alles für seinen Lebensunterhalt kaufen konnte, mit seiner Familie lebte und im Schutz eines Heeres war.

Was aber noch zu erwähnen ist:       Solddienst war Saisonarbeit!

Sobald der Krieg vorbei war, stand der Landsknecht vor dem Nichts, musste sich durchschlagen, musste „garten“. „Garten“ ist die zeitübliche Bezeichnung für das Umherziehen arbeitsloser Landsknechte. Wer im 16. Jahrhundert von „gartenden“ Landsknechten sprach, meinte Landsknechte, die bettelten, die Hühner und Gänse stahlen, die mit nächtlichen feuerlegen drohten, wenn nicht freiwillig gegeben wurde, wonach sie verlangten. Die gartenden Landsknechte waren eine Landplage, wurden von den Bauern gehasst und den kriegführenden Obrigkeiten, die sie eben noch gebraucht hatten, kriminalisiert und zu „Müßiggängern“ abgestempelt. Reichsgesetze verboten jedermann, diese Menschen zu beherbergen oder auf andere Weise zu unterstützen. Zahllose territoriale Mandate drohten ihnen schwere Strafen an. Mit Mandaten aber waren die kriegserprobten Landsknechte nicht zu schrecken. Und machten die Obrigkeiten tatsächlich einmal Jagd auf sie, schlossen sie sich zusammen und bildeten sogenannte „Vergadderungen“, die mehrere tausend Mann stark sein konnten und am zutreffendsten wohl als militarisierte Bettelbanden zu charakterisieren sind.